Handwerk wirbt in eigener Sache

19.02.2016 Volksstimme

Mitteldeutsche Handwerksmesse in Leipzig: Altmärkische Unternehmen sind mit dabei

Meister und Unternehmer zeigen noch bis Sonntag auf der mitteldeutschen Handwerksmesse in Leipzig das Spektrum ihrer Leistungen. Mittendrin sind auch zahlreiche Teilnehmer aus der Altmark. Mit stets mehr als 170 000 Besuchern zählt sie zu den frequentiertesten Handwerksmessen Deutschlands.

Leipzig/Altmark l Dass die Altmark mittendrin statt nur dabei war, zeigte am Dienstag der erste Altmark-Tag. Mehr als 50 Gäste kamen dabei am Sachsen-Anhalt-Stand in Halle 5 auf Einladung der Handwerkskammer Magdeburg und des Regionalmarketings „Die Altmark – Grüne Wiese mit Zukunft“ zusammen, um sich über Chancen und Herausforderungen im mitteldeutschen Handwerk auszutauschen.

Im Podium waren Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, Helmut Adamy, Präsident der Handwerkskammer Südthüringen, sowie einige Unternehmer altmärkischer Handwerksbetriebe: Steinbildsetzer Sven Strauß aus Jeetze, Rosemarie Lehmann von der Salzwedeler Baumkuchen GmbH, Jens Schumacher von JS Lasertechnik aus Stendal sowie Schlossermeister Heiko Meyer aus Rohrberg.

Mit innovativen Ideen, Kreativität, Qualität und Know-how beweisen viele sachsen-anhaltische Betriebe, dass das Handwerk ein bedeutender Wirtschaftszweig ist. Doch ohne Nachwuchs- sowie Fach- und Führungskräfte kann das Fortbestehen der Betriebe in Handwerk und Dienstleistungssektor nicht gewährleistet werden. „Wir stehen im engen Kontakt mit den regionalen Schulen und bieten Wochenpraktika an, damit das Handwerk für Jugendliche erlebbar wird“, sagt Rosemarie Lehmann. Erster Erfolg: Das Unternehmen hat auf diese Weise zwei neue Auszubildende gewinnen können.

Nachwuchsförderung betreibt auch Aussteller Heiko Meyer aus Rohrberg. So bietet er seit Jahren Schülern einen Grundkurs zum Schmieden an. „Die Schüler haben Lust drauf und fehlen im Gegensatz zum Theorieunterricht in der Praxis nie“, sagt der Unternehmer. Die seit über 100 Jahren bestehende Schlosserei ist bewusst klein geblieben, sagt Meyer: „Wir sind eine Dorfschlosserei. Ich hatte schon überlegt zu wachsen, aber als selbstbestimmter Handwerker liebe ich die Flexibilität und meine freie Zeiteinteilung.“ Und wenn er mal nicht da ist, hat er noch einen Mitarbeiter.

Renaissance der Mosaikkunst

Neben ihm stand zu Wochenbeginn am Altmarkstand auch Jens Schumacher. Sein Unternehmern JS Lasertechnik aus Stendal ist nicht nur Spezialist für Metallverarbeitung und die Konstruktion von Baugruppen. Seit einigen Jahren fertigt das Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten auch Holzverbrennungsöfen. Die neuesten Modellvarianten des Holzofens „Bjoern“ hat der Unternehmer mit nach Leipzig gebracht.

Gefragt war in Leipzig auch der Stand von Sven Strauß. Der Fliesenleger und Kunsthandwerker, der im Vorfeld der Messe schon als Werbegesicht der Altmark-Marketings gehandelt wurde, fertigte vor den Augen der Besucher ein Altmark-Mosaik und lud auch die Handwerkspräsidenten und Besucher ein, einen Stein zu legen. Die Mosaik-Kunst erlebte in den vergangenen Jahren eine Renaissance. Als Kunsthandwerker ist Strauß Einzelkämpfer, der sich – auch wenn er weiter ein Einmann-Unternehmen bleiben möchte – für den Nachwuchs einsetzt. „Man muss nicht in die weite Welt gehen, um beruflich erfolgreich zu sein. Man kann gern woanders Erfahrungen sammeln, aber hat in vielen Berufen auch die Chance wiederzukommen“, sagt der 36-Jährige.

Mut zur eigenen Firma

Egal ob Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt – in puncto Unternehmensnachfolge und Nachwuchskräftegewinnung haben die Bundesländer gleichermaßen ihre Herausforderungen. Helmut Adamy, Präsident der HWK Südthüringen, dazu: „Der Akademisierungstrend führt dazu, dass viele studieren, die vielleicht lieber eine Ausbildung machen würden.“ Aber auch am Image müsse man schrauben, betonte Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der HWK Leipzig: „Wir müssen die jungen Menschen überzeugen, dass Handwerksberufe cool sind, und sie auf verschiedene Art begeistern.“

In Sachsen-Anhalt gibt es seit einigen Monaten die Kampagne „Karriere im eigenen Land“. „Wir wollen Gesellen überzeugen, dass es sich lohnen kann, eine eigene Firma zu gründen oder auch einen Betrieb zu übernehmen“, sagt Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg. Meisterbafög sei ein erster wichtiger Baustein, um zukünftigen Unternehmern finanzielle Risiken zu nehmen.

Informationen zur Messe: www.handwerksmesse-leipzig.de

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